"Beschäftigung" - "Globalisierung" - "Standort"...
Wo gearbeitet wird, um Geld zu verdienen; wo die produktiven Tätigkeiten, die den Reichtum der Gesellschaft schaffen, mit ihren Produkten gar nichts weiter zu tun haben, weil es überall nur um das eine Produkt, nämlich den Gelderwerb geht; wo diese Zwecksetzung so zur Selbstverständlichkeit verfestigt ist, daß umgekehrt jede Tätigkeit, die Geld bringt, "Arbeit" heißt - bekanntlich gehen Minister, Künstler und Börsenmakler ebenso "zur Arbeit" wie diejenigen, die den Beruf des "Arbeiters" ergriffen haben - und niemand da prinzipielle Unterschiede kennen will; da kommt es auf einen einzigen Unterschied an und auf den um so mehr: ob einer bereits Geld hat oder nicht.
Wer in einer Welt, in der alle Gebrauchsgüter jemandes Eigentum sind, kein Eigentum hat, der kann noch nicht einmal von sich aus ans Werk gehen und sich welches verschaffen; denn dazu fehlen ihm - auch die sind ja Eigentum - die nötigen Mittel. Um an der Gleichung von Nutzen und Eigentum nicht zugrundezugehen, braucht er einen Eigentümer, der über Produktionsmittel verfügt und ihn dafür bezahlt, daß er sich daran nützlich macht - nützlich für den Eigentümer, logisch; denn weshalb sollte der sonst Geld zahlen? Auch für den geht es ja darum, Geld zu erwerben, nicht zu verschenken. Dieses Interesse hat der auf Erwerbsarbeit angewiesene Mensch, dem es an Eigentum fehlt, mit zu bedienen, damit er sich Geld verdienen kann.
Mit seiner Arbeit muß er seinem Geld- und Arbeit-'Geber' zusätzlich zu dem, was der schon hat, Eigentum schaffen, um selber aus dessen Vermögen etwas abzubekommen. Die rein private Zwecksetzung des Arbeiters: sich Geld zu verschaffen, ändert sich dadurch gar nicht; es zeigt sich nur, was es heißt, ein eigenes Geld zu verdienen, ohne schon genug zu haben. Dann wird die Arbeit nämlich zur doppelten Geldquelle: für den, der sie leistet, unter der Bedingung, daß sie die besser ausgestattete Seite, die Geld hat, reicher macht.
Die beiden Leistungen der Arbeit sind also nicht ganz äquivalent: Für Leute, die ohne Eigentum in der Marktwirtschaft mittun wollen, ist Arbeiten zwar das einzige Erwerbsmittel, über das sie verfügen; es ist aber genaugenommen gar nicht ihr Mittel, sondern wird dazu nur, soweit und solange ein Betriebseigentümer es für sich, als sein Erwerbsmittel zu nutzen versteht.
Sie produzieren Eigentum, und zwar - entgegen dem Wortsinn - fremdes. - Umgekehrt umgekehrt. Wer über genügend Eigentum verfügt, der kann daraus sein Erwerbsmittel machen, indem er es in ein Unternehmen steckt und Leuten, die ein Einkommen brauchen, eines gewährt - dafür, daß sie dort arbeiten und Verkäufliches herstellen; Wert, der mit dem Recht des Eigentümers ihm gehört und, nach dem Verkauf sein Geldvermögen vergrößert. Durch diesen Gebrauch ihres Eigentums verdienen die Eigentümer Geld, ohne es selber schaffen zu müssen: Sie lassen Eigentum produzieren, und zwar ihr eigenes.
So geht für unternehmungsfreudige Eigentümer die Gleichung von Eigentum und Nutzen auf: Das Eigentum bewährt sich, richtig eingesetzt, als hinreichendes Mittel, sich durch fremde Arbeit zu vergrößern, also als Produktionsverhältnis; es fungiert als Kapital.
Die Leute, die die Arbeit leisten, haben gleichfalls, was sie wollten und brauchen, nämlich ein eigenes Geld in der Hand. Nur handelt es sich bei ihrem Eigentum mangels Größe um eine wenig haltbare Angelegenheit. Kaum verdient, muß es schon wieder ausgegeben werden, um die notwendigen Lebensmittel zu beschaffen - fließt also im wesentlichen an kapitalistische Unternehmer zurück, die damit den Wert ihrer Ware in Geld realisieren.
Denn nichts von dem, was sie selber hergestellt haben, steht den Arbeitern zu Gebote; sogar ihre eigenen Produkte müssen sie sich erst gegen Geld aneignen, also von ihrem Lohn kaufen, wenn sie sie benutzen wollen.
So bleibt das Eigentum für sie Ausschluß von dem Reichtum, den sie selbst produzieren. Ihr Nutzen hat also eine reichlich negative Bedingung, der sie sich beugen müssen, um leben zu können; eine fremde Verfügungsgewalt über ihre Arbeit, die sie mit ihrer Arbeit beständig reproduzieren und vergrößern.
Es ist - nicht unwichtig zu bemerken - ein und dieselbe marktwirtschaftliche Gleichsetzung von Geld und Bedürfnisbefriedigung, Nutzen und Eigentum, die für zwei verschiedene Seiten in so entgegengesetztem Sinn aufgeht. Wenn für Geld - oder gar nicht! - gearbeitet wird, dann geht es eben nicht um die Versorgung aller mit wirklichem, sondern um den abstrakten Reichtum. Dann disponieren nicht die Arbeiter über die Erträge ihrer Arbeit, sondern die im Geld existierende private Macht des Eigentums kommandiert Arbeit und Arbeiter. Dann verfügen nicht die Leute ohne Geldvermögen über einen bequemen Verteilungsmechanismus, wenn sie als Ertrag ihrer Arbeit einen Lohn nach Hause tragen bzw. ein Entgelt überwiesen kriegen, sondern es wird schon gar nichts anderes produziert als Eigentum: ein Reichtum unter der verbindlichen Vorgabe, daß er denen, die ihn schaffen, erst gar nicht gehört. Worin sonst könnten denn auch die ökonomischen Leistungen von Geld und Eigentum bestehen?
Daß die Produktionsmittel ausschließender privater Verfügung unterliegen, trägt zu deren Produktivkraft nichts weiter bei, als zwischen dem materiellen produktiven Gebrauch dieser Mittel, der Arbeit und denen, die sie leisten, auf der einen Seite und der Verfügungsmacht über den Produktionsprozeß mitsamt seinen Erzeugnissen auf der anderen Seite zu scheiden, also zu verhindern, daß Produktionsmittel wie Produkte denen, die sie benutzen wie benötigen, auch verfügbar sind.
Daß verdientes Geld den Zugriff auf ein Stückchen Warenwelt gestattet, ist nur unter der Voraussetzung ein schätzenswerter Vorteil, daß von all den produzierten Gütern erst einmal gar nichts zu gebrauchen ist, eben weil es als fremdes Eigentum in die Welt gekommen ist. Daß sich mit Arbeit Geld verdienen läßt - das zudem immer gleich wieder weg ist: Wozu könnte ein solches Geschäft überhaupt gut sein, wenn nicht dazu, daß die Arbeiter grundsätzlich nicht kriegen, was sie herstellen; stattdessen die andern, die das Geld zahlen?
Absurde Vorkehrungen wären das alles und groteske Umständlichkeiten - ginge es darum, Gebrauchswerte zu produzieren und geschickt an die Leute zu verteilen. Dann wird das aber auch nicht der tiefere Hintersinn von Geld, Eigentum und Erwerbsarbeit sein. Deren "Sinn" wird schon in dem liegen, was sie wirklich leisten: Nutzen und Eigentum gleichzusetzen, so daß notwendigerweise die zwei gegensätzlichen komplementären Lösungen herauskommen.
Weltfremd sind daher alle Vorstellungen von der Art, die Subsumtion der Arbeit unter das Eigentum könne man dahingestellt sein lassen, weil daran ohnehin nichts zu ändern oder jede Änderung sogar kontraproduktiv sei, die so arg gegensätzlichen Folgen der Herrschaft des Geldes aber wären getrennt davon zu therapieren; am besten durch den Staat, der doch dem gleichmäßigen Wohl aller verpflichtet sei und mit seiner Gewalt übermäßige gesellschaftliche Gegensätze auszubügeln hätte.
Weltfremd ist das nicht in dem Sinn, daß der bürgerlichen Welt solche Auffassungen fremd wären - das Gegenteil ist der Fall: Genau so möchte die Marktwirtschaft verstanden sein, als Volkswirtschaft mit einer raffinierten und außerdem freiheitlichen Verteilungsstrategie, von der deren schäbige Wirkungen leicht wegzudenken Wären. Als Instanz, die diese Wirkungen tatsächlich ungeschehen macht, empfiehlt sich der soziale Staat. Es ist bloß nicht wahr; und wenn das Vertrauen auf die Zweieinigkeit von Marktwirtschaft & Demokratie darauf insistiert, "es sollte doch" zumindest so sein, dann ist es eingestandenermaßen nicht so.
In der wirklichen Welt setzt die bürgerliche Staatsgewalt noch allemal, bevor sie sich irgendwelchen Folgeproblemen widmet, die systematische Unterwerfung der Arbeit unter den Gelderwerb und die Macht des Eigentums in Kraft, indem sie das Eigentum gesetzlich schützt und mit dem Recht ausstattet, für sich arbeiten zu lassen.
Und das Kapital tut, was es kann: Es bemächtigt sich der Arbeit, nämlich ihrer Produktivkraft, als seiner Quelle, benutzt sie zur Steigerung seines Überschusses im Verhältnis zu den Mitteln, die es eben dafür aufwendet, also für seine Profitrate, macht sie haftbar für die Bedienung und Aufrechterhaltung eines Kreditsystems, das von seinen Voraussetzungen in der Profitproduktion, die es einerseits fördert, andererseits überhaupt nichts wissen will. Das Kapital verwendet die Arbeit als Waffe in der internationalen Konkurrenz, was die Staatsmacht als interessiertes Subjekt mit eigenen Erfolgsansprüchen an die Arbeit auf den Plan ruft, und macht sie, auch dies mit staatlicher Unterstützung, aktuell zum Lückenbüßer seiner selbsterzeugten Krisenlage.