Unser Euro - Die Hetze (der Bild-Zeitung) gegen die Griechen (Teil 2)
Keine zwei Jahre ist es her, dass die Finanzwelt ihre weltumspannende Krise hingelegt hat. Banken und Börsen tragen zwar zum materiellen Reichtum einer Gesellschaft kein Gramm bei, aber wenn ihre Bereicherung scheitert, dann geht gar nichts mehr. Dem Staat fehlen Einnahmen, der produzierenden Wirtschaft wird der Kredit gestrichen und die arbeitende Bevölkerung verliert Arbeit und Einkommen. Dem Finanzsektor und der darin zentralisierten Geldvermehrung ist alles andere untergeordnet, und genau so will es der Staat haben. Aus dem Wachstum des Finanzkapitals soll nicht nur der Kredit für die Wirtschaft und die Verschuldung des Staates finanziert werden. Nationen konkurrieren auch noch um die Attraktion von auswärtigen Anlegern auf den eigenen Finanzplatz. Das stärkt die Währung des Landes und macht den Staatskredit zu international tauglichem Geld, über das nur ganz wenige Nationen verfügen. Staaten, die eine solche Finanzmacht nicht bei sich versammeln können, bleiben auf ewig arm und ohnmächtig. Solche, die diese Potenz verlieren, werden es schnell. Daher heißen die großen Geldhäuser eines Standorts auch systemrelevant, und mit Billionen haben Staaten deren Geschäfte vor der Pleite gerettet. Jetzt bekommen sie die Quittung dafür. Dieselben Finanzinstitute, denen der Staat das Überleben mit Krediten gesichert hat, spekulieren nun gegen ihre Retter, weil die sich für ihre Aktion mächtig verschuldet haben eben bei den Geretteten. Verrückt, aber so ist es. Spekulanten trauen den hoch verschuldeten Staatshaushalten immer weniger zu, dass sie für die Bedienung ihrer Schulden gerade stehen können. Darüber verlieren Nationen ihren Kredit am Kapitalmarkt und werden zahlungsunfähig. Griechenland zuerst, andere werden vermutlich folgen und das Schicksal des Euro ist insgesamt offen. Nicht nur Einkommen und Arbeitsplatz, alles Ersparte der Bevölkerung droht in den Strudel des Euro-Krachs gezogen zu werden. Über dieses Ergebnis der von Gegensätzen nicht freien Kooperation von Finanz- und Staatsmacht werden Europas Völker mit grob unwahren Botschaften versorgt. Die noch zahlungsfähigen Nationen wie Deutschland werfen den Nachbarn am Rand der Zahlungsunfähigkeit Misswirtschaft vor, für die der deutsche Steuerzahler nun bluten soll.
Das also bekommt das deutsche Publikum zu den dramatischen Vorgängen von Regierung und Medien mitgeteilt: Nichts als Unsinn und nationalistische Frechheiten!
Die Griechen sind selbst schuld!, heißt es, sie hätten über ihre Verhältnisse gelebt; zu viel importiert und konsumiert, zu wenig gearbeitet und zu wenig exportiert. Zu Außenhandelsbilanzen aber gehören zwei Seiten! Der Ex-Exportweltmeister Deutschland z.B. erzielt Überschüsse im europäischen Handel haargenau in dem Maß, wie andere Länder von überlegener Kapitalmacht und Kampf-Preisen niederkonkurriert Defizite ansammeln. Die griechische Pleite ist das Spiegelbild des deutschen Erfolgs. Da könnte man vielleicht schon bemerken - der EU-Binnenmarkt ist kein Kooperationsprojekt zur gegenseitigen Unterstützung benachbarter Völker, sondern ein Kampfplatz der Nationen, auf dem jede die Partner für ihr Kapitalwachstum auszunutzen strebt. Den Siegern stehen notwendig Verlierer gegenüber.
Die Griechen können ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen!, lautet ein Vorwurf. Als ob das irgendein anderer Staat innerhalb oder außerhalb der EU täte und könnte. Alle tilgen sie Schulden, indem sie neue machen. Und stets machen sie mehr neue Schulden als sie alte tilgen. Die Not der Hellenen besteht darin, dass sie für neue Staatsschulden keine Käufer mehr finden. Finanzkapitalisten halten den Staat nicht mehr für eine sichere Zinsmaschine und entmachten ihn genau deswegen!
Die Griechen müssen ihre Probleme selbst lösen; ihre Schulden sind nicht unsere! hieß es bis neulich. Und schon da war der Spruch Unsinn, berechnender Unsinn: Griechische und deutsche Schulden lassen sich eben nicht mehr ganz trennen, wenn sie in derselben Währung anfallen. Die europäischen Macher fragten sich in Wahrheit nur noch, ob sie den Euro mehr schädigen, wenn sie einen Staatsbankrott in der Gemeinschafts-Währung zulassen oder wenn sie ihn durch Notkredite abwenden. So oder so demonstrieren die griechischen Staatenlenker mit ihren Schwierigkeiten, Schulden zu akzeptablen Zinsen am Markt unterzubringen, ein Misstrauen der globalen Finanzkapitalisten gegen Europa und sein Geld. Inzwischen wird das mit rund 700 Milliarden gerettet. Dem arbeitenden und gelegentlich arbeitslosen Volk werden dafür europaweit Sparmaßnahmen angekündigt, wie sie, von Politik & Wirtschaft ganz frei ausgeplaudert die Welt noch nie gesehen hat. Und die Griechen gehen voran!
Wenn wir Griechenland doch helfen, dann nur unter strengen Sparauflagen und voller Kontrolle des Staatshaushalts! Die Kanzlerin führt sich auf wie die Herrin im Haus Europa: Wir sind als Geldgeber gefragt, wir haben die Mittel, also schaffen wir an! Sie nutzt die Krise, von der sie noch gar nicht weiß, wie viel die von der deutschen Kreditmacht übrig lässt, als Gelegenheit, die Unterordnung der Partner unter deutsche Finanzaufsicht voranzutreiben und ihnen ihre Wirtschaftspolitik in Sachen Wahrung deutscher Interessen hineinzuregieren. So gemütlich geht es zu in unserem Europa und so gerecht: Deutschland darf seine gerade anspringende Konjunktur keinesfalls kaputt sparen: Wir müssen ordentlich neue Schulden machen, damit wir aus der Krise gestärkt und konkurrenzfähig hervorgehen. Für die Griechen ist das Gegenteil richtig: Die müssen hart sparen, noch viel ärmer werden, als sie ohnehin schon sind, um ihre Staatsausgaben ihrer impotenten Wirtschaft anzupassen. Und die BILD hat gleich noch einen fürs deutsche Publikum anscheinend passenden Brüller auf der Pfanne:
Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen und die Akropolis gleich mit!
Internationale Finanzinstitute nutzen Griechenlands Probleme mit seinen Staatsfinanzen dazu, eine Spekulation gegen den Euro loszutreten. Die Politiker aus den Chefstaaten von Euroland fürchten um die Stabilität ihrer Gemeinschaftswährung und ihre Kreditwürdigkeit als Staaten. BILD-Redakteure liefern dazu die Begleitmusik fürs nationale Gemüt: Eigentlich gehts in der Welt des Kapitals zu wie im proletarischen Haushalt. Wer Schulden hat lebt auf Pump, und wer Schulden zum Fälligkeitstermin nicht begleichen kann der wird gepfändet. So gehts tatsächlich zu beim Volk dessen Armut ist nur dann überlebensfähig, wenn es sich den Banken mit sog. Konsumentenkrediten zum Geschäftsmittel macht. Und taugt es dafür nicht, dann wird seine private Existenz dem Geschäft geopfert! Dass im Falle Griechenland Fragen um den Bestand nationaler Kapitalmacht auf der Tagesordnung stehen dieser kleine Unterschied braucht da nicht zu interessieren! Hauptsache die Leser der BILD werden nicht irre an dem Schulterschluss mit ihrer Nation, die mit der Griechenhetze dem Stolz auf den eigenen Laden tagtäglich Nahrung bietet und befördert. Dringend nötig in Zeiten wo eine Sparrunde nach der anderen eben nicht nur für griechische Untertanen angesagt und durchgeführt wird